Cookie-Banner nerven. Oder?

23. August 2022 | Aktualisiert am 13. September 2022  | Datenschutz

by Nicole Werner

Auf den meisten Webseiten siehst du Cookie-Banner. Oder auch Consent-Management Tool genannt. Die kleinen (oder großen) Fenster, die sich über die Webseite legen, sobald du die Webseite öffnest.

Bevor du auf der Webseite weitersurfen kannst, wirst du gebeten, in die Cookies und Datenübermittlungen einzuwilligen.

Obwohl Cookie-Banner hilfreich sein sollen, werden sie von vielen Webseitenbesuchern als nervend empfunden.

Warum das so ist und was du dagegen machen kannst, erfährst du in diesem Artikel.


Inhaltsverzeichnis
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Was sind denn überhaupt Cookies? Einfach erklärt.

Ein Cookie ist eine kleine Textdatei (oder ein kleines Programm), das auf deinem Computer oder deinem Mobilgerät gespeichert wird.

Es ermöglicht Online-Diensten, sich Aktionen und Vorlieben der Webseitenbesucher über einen bestimmten Zeitraum zu merken, damit sie ihre Daten z.B. nicht jedes Mal neu eingeben müssen, wenn sie die Webseite wieder besuchen oder von einer Webseite zur nächsten springen.

Im Grunde können Cookies folgende Informationen beinhalten:

  • IP-Adresse,
  • Besuchte Webseiten,
  • Häufigkeit und Dauer der besuchten Webseiten,
  • Eingegebene Daten in Formulare, wie E-Mail-Adressen, Passwörter, und was der Webseitenbesucher sonst so (!) in Formularen eingibt
  • Einkäufe,
  • Das Kaufverhalten, …

Einige der Cookies sind notwendig und erfüllen wichtige Funktionen, wie z.B. das Hinzufügen von Artikeln zu einem Warenkorb eines Online-Shops oder dem Speichern von Spracheinstellungen.

Der Großteil der Cookies wird jedoch für weniger notwendige Zwecke verwendet, z. B. um die Surfgewohnheiten von Webseitenbesuchern zu verfolgen oder persönliche Daten zu sammeln, die dann an Drittanbieter weitergereicht werden können.

Deshalb ist es wichtig, dass du als Webseitenanbieter weißt, welche Cookies und Online-Dienste auf deiner eigenen Webseite vorhanden sind und welche davon Daten sammeln und an Drittanbieter weitergeben. Lass deinen Webseitenbesuchern die Wahl, diese zu akzeptieren oder abzulehnen.

Und dann kam der nervende Cookie-Banner.

Der Cookie-Banner verwaltet diese Cookies sowie die Verbindungen zu Drittanbietern (z.B. weiteren Online-Diensten).

Cookie-Banner
Cookie-Banner nerven. Oder?

Der Cookie-Banner informiert Webseitenbesucher, welche Cookies und Datenübertragungen an Drittanbieter auf der Webseite eingesetzt werden. Außerdem wird der Zweck des Cookies und die Dauer der Speicherung beschrieben.

Über den Cookie-Banner ist es möglich, die Cookies einzeln zu akzeptieren oder abzulehnen. Jedenfalls in der Theorie. Dabei sind einige Cookies notwendig (worüber sich aber trefflich streiten lässt), die nicht ablehnbar sind.

Warum sind viele Webseitenbesucher genervt von Cookie-Bannern?

Dafür gibt es viele Gründe:

  • Cookie-Banner sind oft aufdringlich und ploppen auf, sobald ein Webseitenbesucher die Webseite aufruft.
  • Cookie-Banner verdecken einen großen Teil des Inhalts der Webseite und erschweren so das Anschauen der Webseite.
  • Mobil auf dem Handy lassen sich Cookie-Banner oft nicht bedienen und schließen.
  • Die Webseitenbesucher werden aufgefordert, auf einen Button oder Link zu klicken, bevor sie die Webseite weiter nutzen können.
  • Sie erhalten keine verständliche Erklärung, was Cookies sind oder warum die Webseite sie verwendet.
  • Sie sind nicht daran interessiert, die Details der Cookie-Banner Hinweise durchzulesen.
  • Das Ablehnen der Cookies ist unmöglich.

Was Webseitenbesucher oft nicht wissen: Auch wenn sie auf Ablehnen klicken, werden sie im Hintergrund getrackt, wenn der Webseitenanbieter die Cookies und Online-Dienste nicht korrekt über den Cookie-Banner eingebunden haben.

Daher überrascht es nicht, dass Webseitenbesucher von Cookie-Bannern oft frustriert oder verärgert sind.

Was du noch nicht über Cookies wusstest

Cookies auf Webseiten sind aus verschiedenen Gründen in die Kritik geraten:

  • Cookies können dazu verwendet werden, die Surfgewohnheiten der Webseitenbesucher auch ohne deren Wissen oder Einwilligung zu verfolgen.
  • Dies ermöglicht Drittanbietern auch sensible Informationen über das Online-Verhalten der Webseitenbesucher zu sammeln.
  • Informationen umfassen z.B. die besuchten Webseiten, die getätigten Einkäufe online, Likes und Klicks auf Social Media Posts, angesehene Videos.
  • Über den Webseitenbesucher wird so ein individuelles Profil erstellt, das z.B. aus persönlichen Merkmalen oder Interessen besteht.
  • Daraufhin können den Webseitenbesuchern gezielt Werbung angezeigt werden. Vielleicht hast du auch schon bemerkt, dass nach deinem Besuch einer bestimmten Webseite auf einer anderen Webseite, die passende Werbung für die erste Webseite angezeigt wird.
  • Cookies können zu Sicherheitslücken führen, da sie Informationen zu Benutzerkonten enthalten können. Das kann ausgenutzt werden, um Zugriff auf Systeme oder Daten der Webseitenbesucher zu erhalten.
  • Cookies erschweren das anonyme und damit neutrale Surfen im Internet. Mit Cookies und Datenübertragungen zu Drittanbietern wirst du wie eine Marionette in unterschiedliche Richtungen manövriert.

Am Rande: Es braucht nicht unbedingt einen Cookie, um dich zu identifizieren. Eine Alternative zu Cookies ist das Browser-Fingerprinting. Bei dieser Technik werden Informationen über die Konfiguration deines Computers, wie z. B. die Art des Betriebssystems und die Version deines Browsers (inklusive deiner Extensions), verwendet, um ein eindeutiges Profil zu erstellen, das für die Nachverfolgung verwendet werden kann. Der Vorteil für Werbetreibende liegt darin, dass sie keine Cookies mehr setzen müssen, um dich zu identifizieren, das geht dann auch über den Browser-Fingerprint.

Wie du Cookie-Banner für deine Webseitenbesucher fairer und weniger nervig gestalten kannst

Tipp 1: Setze einfach keinen Cookie-Banner ein

Verzichte auf Cookies und Verbindungen zu Drittanbietern. Du musst nur einen Cookie-Banner einrichten, wenn du Cookies und Verbindungen verwendest, die nicht unbedingt erforderlich sind.

D.h. wenn du auf das übliche Tracking mit Cookies und komplexeren Tracking-Methoden durch Web Analyse Tools (wie z.B. Google Analytics, Facebook Pixel) verzichtest, keine Werbenetzwerke auf deiner Webseiten eingebunden hast, auf Schnickschnack wie Chatbots und Push-Nachrichten verzichtest, stehen die Chancen gut, dass du keinen Cookie-Banner benötigst.

Weiterlesen: FAQ zu Cookies und Tracking der Landesaufsichtsbehörde für Datenschutz in Baden-Württemberg.

Tipp 2: Mach deine Cookies sichtbar

Vielen Webseitenanbietern ist nicht klar, dass sie und die Plugins und Tools, die sie auf der Webseite einsetzen, ihre Webseitenbesucher auswerten.

Für dich als Webseitenanbieter ist es wichtig zu wissen, dass die Daten deiner Webseitenbesucher nicht nur zum Tracking verwendet werden können. Bei vielen Drittanbietern fehlt die Transparenz, es wird sehr allgemein gehalten, was mit den gesammelten Daten geschieht. Oft gibt sich der Drittanbieter als besonders datenschutzfreundlich aus, was er aber schlicht und ergreifend nicht ist.

In der Vergangenheit wurden Daten der Webseitenbesucher für Wahlkämpfe in den USA missbraucht. Der Cambridge Analytica und Facebook Fall ist ein Beispiel hierfür. Auch wenn du jetzt denkst, der Fall bezog sich auf Facebook und nicht auf Webseiten.

Das kann dich und deine Webseite zukünftig auch betreffen.

Wenn du ein Facebook Pixel mit deiner Webseite verbunden hast oder ein Social Media Plugin (welches nicht so datenschutzfreundlich wie Shariff ist) unter deinen Blogartikel einfügst, um deine Artikel zu teilen, werden Daten deiner Webseitenbesucher auch zwischen deiner Webseite und Facebook hin und her übertragen.

Der Fall zeigt, was möglich ist. Dass Webseitenbesucher basierend auf ihren Daten von einem Drittanbieter (wer auch immer der Auftraggeber ist) in eine gewünschte Richtung geschubst werden könnte, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Daher mache deine Cookies und Datenübermittlungen zu Drittanbietern im Cookie-Banner sichtbar. Lass Drittanbieter nicht ohne Einwilligung Daten über deine Webseitenbesucher sammeln.

Tipp 3: Fairplay – Gibt deinen Webseitenbesuchern die Wahl

Liste einzeln alle Cookies und Drittanbieter-Verbindungen im Cookie-Banner auf, die du auf deiner Webseite einsetzt. Beschreibe zu welchem Zweck, der Cookie oder der Drittanbieter auf deiner Webseite eingebunden ist.

Alle Cookies sind standardmäßig deaktiviert, außer den absolut notwendigen Cookies. Deine Webseitenbesucher können aktiv entscheiden und auswählen, welche Cookies und Drittanbieter-Dienste sie zulassen möchten.

Ermögliche deinen Webseitenbesuchern, später die Cookie-Einstellungen zu ändern. Indem du z.B. im Footer, am Ende deiner Webseite, einen Link zu den Cookie-Einstellungen einfügst. Außerdem kannst du den Link auch noch in deinen Datenschutzhinweisen hinterlegen.

Gibt deinen Webseitenbesuchern die Chance alles außer den absolut notwendigen Cookies und Drittanbieter-Diensten mit einem Alles Ablehnen Button ratzfatz abzulehnen.

Gestalte den Cookie-Banner ohne freundliche Keks-Bilder, verzichte auf beeinflussende Sprache bei der Wahl der Texte, wie z.B. “Sei Teil der Familie und ess Cookies”. Bleib neutral in der Gestaltung und dem Text im Cookie-Banner. Gib deinen Webseitenbesuchern eine echte Wahl.

Fazit

Sei fair und transparent, so kannst du bei deinen Webseitenbesuchern punkten. Lass sie entscheiden, was andere über sie erfahren dürfen.

Die Herausforderung wird sein, dass viele Internetnutzer sich noch nicht im Klaren sind, was unsichtbar im Hintergrund mit ihren Daten passiert. Und wie sie dadurch in bestimmte Richtungen geschubst werden können.

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by Nicole Werner

Ich bin Bloggerin, Liquidatorin, Datenschutzbefürworterin, Wirtschaftsinformatikerin, Vermittlerin und neuronale Pingpong-Spielerin. Ich mache komplexe Themen verständlich und liebe TechNights.

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